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Ökumenischer Stadtkreuzweg 2026

Ökumenischer Stadtkreuzweg 2026

Ökumenischer Stadtkreuzweg 2026

# Neuigkeiten

Ökumenischer Stadtkreuzweg 2026

Seit über 20 Jahren gehen die evangelische Thomasgemeinde und der heutige katholische Kirchort Crucis/Wigbert am fünften Fastensonntag den ökumenischen Stadtkreuzweg. Bisher ab 14 Uhr, in diesem Jahr erstmals um 10 Uhr als Ersatz für die jeweiligen Gemeindegottesdienste. Würde das gut gehen? Es war ein Volltreffer. Solch eine intensive geistliche Atmosphäre erlebt man nicht alle Tage.

In der Thomaskirche ging es in der ersten Station um Vertrauen. Oder ehrlicher gesagt: Um das Vertrauen, was uns oft fehlt. Wir prüfen, vergleichen, hinterfragen unentwegt. Und genau da begegnet uns heute Thomas. Nicht als der „Ungläubige“, sondern als einer, der ehrlich genug war zu sagen: „Ich glaube nicht einfach irgendetwas.“ Er ist uns ähnlicher, als wir denken. 

Wenn wir nur noch dem glauben, was wir sehen und anfassen können, dann wird unsere Welt plötzlich ziemlich klein. Denn das Entscheidende im Leben kann man gar nicht anfassen. Liebe kann man nicht messen. Vertrauen kann man nicht wiegen. Hoffnung kann man nicht fotografieren. Und trotzdem trägt genau das unser Leben.

Jesus sagt im Grunde zu Thomas: „Ich sehe deinen Zweifel. Komm her.“ Und geht auf den Zweifler zu. Das ist vielleicht eine der wichtigsten Botschaften des Evangeliums: Glaube beginnt nicht dort, wo Menschen keine Zweifel haben. Glaube beginnt dort, wo Menschen trotz ihrer Zweifel Jesus begegnen. Der größte Irrtum wäre, zu glauben, wir müssten alles allein herausfinden. Wir müssten alles kontrollieren. Wir müssten alles selbst beweisen.

Manchmal müssen wir uns dem Leben anvertrauen. Und genau das ist Glaube. Nicht blind. Nicht naiv. Sondern die leise Entscheidung: Vielleicht ist da mehr, als ich sehen kann. Vielleicht ist da eine Hoffnung, die stärker ist als der Tod. Vielleicht ist da ein Gott, der auch meine Zweifel aushält.

Die zweite Station führte uns in die St. Crucis-Kirche, der man den Leerstand schon anmerkte, deren Querbalken am Altarkreuz auch schon herabgefallen war…

Sich querstellen wurde so auch unsere Besinnungsfrage! Das Besinnen: Wo stehe ich? Wie stehe ich zu Christus heute? erfolgte anhand eines Bildes über Jesu Auslieferung an Pilatus!

Da ist die einsame Wache, der in Jesu Schatten „nur seinen Dienst“ schiebt! Oder wagt der Soldat doch zu Jesus aufzublicken? Das veränderte sein ganzes Leben …

Da sind die vielen, die Jesus als Schuldigen mit ausgestecktem rechten Arm beschuldigen: Der hat uns verführt!

Da lungert Pilatus in seinem Machtsessel, scheinbar ungerührt, aber dennoch feige - wider besseren Wissens- Jesus zum Kreuzestod verurteilend.

Wo stehe ich? Das bleibt die Frage!

 Die dritte Station in der Wigbertkirche sollte den Blick weiten über das Desaster des Kreuzestods Jesu hinaus. Worin besteht Hoffnung, die über Niederlage, Verzweiflung, Angst und Not hinausgeht? Für Jesus in der Passionsgeschichte und für uns heute Lebenden.

Der Matthäus-Satz: „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ wurde im Kontext der alt- und neutestamentlichen Schriften, betrachtet. Wenn “ Matthäi am Letzten“ ist, besteht keine Hoffnung mehr, das Geld ist aufgebraucht, Weltuntergang und Ende sind nahe.

Das zutiefst geistliches Wort, das Trostwort der Bibel: „Ich bin bei euch“ ist gleichsam Gottes Währung. Zeitlose, unbegrenzte, bedingungslose und grenzenlose Gegenwart Jesu.

„Ich bin bei euch“ - das ist das stärkste Wort des Trostes, das in menschlicher Sprache ausgesprochen und einander zugesprochen werden kann, ein Wort, unter dem schon und gerade auch Kinder, die Sprache der Hoffnung lernen: „Ich bin doch da, ich bin bei euch“. Es gibt uns die Kraft zu trösten, zu ermutigen, nicht aufzugeben. Dieses Versprechen lässt uns unser schönes und gefährdetes Leben gestalten und ertragen, zuversichtlich angehen und dankbar wahrnehmen.

Die Thomas-Keller-Band, Martin Schwabenhaus und Veronika Schier führten musikalisch durch den Kreuzweg. Der Song von Udo Lindenberg „Hinterm Horizont geht’s weiter“ bildete den verbindenden Roten Faden zwischen den Stationen. Die ausgezeichneten Texte haben die Teilnehmenden sehr zum Nachdenken und zum Austausch untereinander angeregt. Beim abschließenden Mittagessen mit Suppe und Butterbrot war zu spüren, wie solch ein gemeinsamer Weg, der ohne Aufbruch nicht denkbar ist, Menschen zusammenführen kann und Gemeinschaft im Glauben erlebbar macht.

Volker Krebs


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