St. Crucis
Die St.-Crucis-Kirche (Neuwerkskirche) in Erfurt ist ein Ort mit außergewöhnlicher historischer Tiefe. Über Jahrhunderte war sie geistlicher Raum, kultureller Bezugspunkt und Teil des gewachsenen Stadtgefüges. Ihr barocker Innenraum gehört bis heute zu den geschlossensten und qualitätvollsten Kirchenensembles der Stadt.
Wie viele kirchliche Orte in Europa steht auch diese Kirche heute an einem Übergang. Nicht weil ihre Bedeutung verloren wäre, sondern weil sich gesellschaftliche Wirklichkeiten, kirchliche Praxis und finanzielle Rahmenbedingungen verändert haben. Die Frage ist nicht, ob sich etwas verändert, sondern wie dies verantwortet geschieht.
Die katholische Innenstadtpfarrei St. Laurentius trägt Verantwortung für mehrere historische Kirchen im Zentrum Erfurts. Diese Verantwortung wird nicht isoliert wahrgenommen, sondern gemeinsam mit der Gemeinde und in transparenter Weise.
Die Überlegungen zur Zukunft der St.-Crucis-Kirche sind Teil des Entwicklungsprozesses 3plusWir. Dieser Prozess steht für Offenheit, Beteiligung und die bewusste Einbindung externer Perspektiven.
Entscheidungen sollen nicht hinter verschlossenen Türen entstehen, sondern im Dialog mit der Stadtgesellschaft und darüber hinaus.
Ein besonderer Ort
Die St.-Crucis-Kirche ist eine barocke Saalkirche des 18. Jahrhunderts, errichtet auf spätmittelalterlicher Bausubstanz. Ihr Innenraum ist reich ausgestattet und bis heute weitgehend original erhalten. Stuck, Altäre, Deckengemälde und Raumproportionen bilden ein harmonisches Ganzes, das den Charakter des Ortes prägt.
Besonders hervorzuheben ist die Volckland-Orgel, erbaut zwischen 1732 und 1737 durch den Erfurter Orgelbaumeister Franciscus Volckland. Sie gilt als eines der bedeutendsten barocken Orgelinstrumente Mitteldeutschlands. Ihr Klang, ihre Authentizität und ihre Erhaltung machen die Kirche auch international für Musikerinnen und Musiker, Fachleute und Kulturliebhaber interessant.
Der Kirchenraum verfügt über eine sehr gute Akustik und eignet sich in besonderer Weise für Musik, Sprache und konzentrierte Formen von Öffentlichkeit.
Bauliche Situation und Sanierungsbedarf
So wertvoll der Ort ist, so realistisch muss auch seine bauliche Situation beschrieben werden. Die St.-Crucis-Kirche ist grundsätzlich nutzbar, weist jedoch erheblichen Sanierungsbedarf auf. Dieser betrifft sowohl die bauliche Substanz als auch technische, energetische und infrastrukturelle Aspekte. Die technische Ausstattung entspricht nicht mehr heutigen Anforderungen. Diese Situation ist bekannt und wird offen kommuniziert. Sie stellt eine Herausforderung dar, eröffnet zugleich aber auch Gestaltungsspielräume. Wer sich hier engagiert, übernimmt Verantwortung, hat aber auch die Möglichkeit, Zukunft bewusst zu formen.
Welche Formen der Weiterentwicklung denkbar sind
Diese Seite ist kein klassisches Verkaufsangebot. Sie ist eine Einladung zur gemeinsamen Suche nach tragfähigen Lösungen. Vorstellbar sind kulturelle Nutzungen, soziale oder bildungsbezogene Konzepte, spirituell anschlussfähige Formen, Mischmodelle mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit. Neben einem möglichen Verkauf sind auch Erbpachtmodelle, langfristige Kooperationen oder andere Beteiligungsformen denkbar. Entscheidend ist nicht die juristische Konstruktion, sondern die Qualität des Konzepts und die Haltung gegenüber dem Ort.
Haltung und Leitlinien
Die St.-Crucis-Kirche ist kein neutraler Raum. Sie ist geprägt durch Gebet, Musik, Geschichte und menschliche Biografien. Diese Prägung soll respektiert bleiben.
Unsere Leitlinien sind
Achtung vor Geschichte, Architektur und Würde des Ortes Ehrlichkeit im Umgang mit Grenzen und Möglichkeiten, Offenheit für neue Wege im Dialog mit der Pfarrgemeinde, der Stadt Erfurt und Gesellschaft.
Einladung
Wir laden Menschen, Institutionen und Initiativen ein, mit uns ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen, Ideen einzubringen und gemeinsam zu prüfen, welche Zukunft für diesen Ort möglich ist.
Historischer Überblick St.-Crucis-Kirche
12. Jahrhundert: Erste Erwähnung der Kirche, Gründung im Zusammenhang mit der Stadterweiterung
ab 1196: Nutzung als Klosterkirche eines Augustinerinnenkonvents
1291: Zerstörung durch einen Stadtbrand, anschließender Wiederaufbau 1466–1473: Neubau als spätgotische Hallenkirche
1731–1735: Barocker Umbau unter Beibehaltung der gotischen Grundstruktur 1732–1737: Bau der Volckland-Orgel
19. Jahrhundert: Aufhebung des Klosters, Verlust der Klostergebäude
20. Jahrhundert: Restaurierungen, Erhalt der barocken Ausstattung
heute: Gottesdienstort, Konzertkirche, Teil der Innenstadtpfarrei St. Laurentius
Kontakt & Rückfragen:
Kirchenvorstand der Pfarrei St. Laurentius in Erfurt
+49 171 127 58 78